Nachruf auf Hubert Aiwanger

[06.11.2026] Ein Politiker mit Ecken und Kanten. Ein Mensch, der uns fehlen wird.
Hubert Aiwanger war ein Politiker, der sich nie verbiegen ließ. Bodenständig, geradlinig und mit einer klaren Sprache vertrat er seine Überzeugungen, auch wenn er damit aneckte. Er wusste, was die Menschen bewegt, die jeden Tag früh aufstehen, Verantwortung übernehmen und mit ihrer Arbeit unser Land am Laufen halten. Für ihre Sorgen und Anliegen hatte er stets ein offenes Ohr. Ihnen eine Stimme zu geben und ihre Interessen zu vertreten, war ihm eine Herzensangelegenheit.
Hubert Aiwanger war kein Politiker, der sich hinter wohlformulierten Reden oder politischen Floskeln versteckte. Er vertrat seine Überzeugungen mit Leidenschaft, manchmal laut, manchmal unbequem, aber immer unverwechselbar. Er scheute keine Auseinandersetzung, ließ sich von politischem Gegenwind nicht beirren und blieb sich und seinen Wurzeln stets treu. Ob es um die Freiheit des Einzelnen, die Zukunft unserer Energieversorgung oder die Belastungen des Mittelstands ging: Für ihn musste Politik nachvollziehbar sein und sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren. Ideologisch geprägten Entscheidungen begegnete er mit gesundem Menschenverstand und einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit.
Sein politischer Weg war außergewöhnlich. 2008 führte er die Freien Wähler erstmals in den Bayerischen Landtag und übernahm dort den Fraktionsvorsitz. Zehn Jahre später wurde er Bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Dabei blieb er seinen Wurzeln treu. Der Niederbayer und gelernte Landwirt wusste, wie die Menschen außerhalb der politischen Zentren denken und was sie bewegt. Er kannte die Lebenswirklichkeit der Betriebe und hatte ein Gespür dafür, wenn politische Entscheidungen an der Praxis vorbeigingen. Gerade für den Mittelstand und das Handwerk war Hubert Aiwanger ein außergewöhnlich engagierter Fürsprecher. Er wusste um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung unserer Betriebe, um ihre gewachsenen Strukturen und um die Menschen, die dahinterstehen. Bürokratische Belastungen, überzogene Vorschriften und politische Eingriffe in die unternehmerische Freiheit waren ihm ein Dorn im Auge. Er wollte nicht immer neue Regeln schaffen, sondern denjenigen den Rücken stärken, die jeden Tag anpacken und Verantwortung tragen.
Für das bayerische Kraftfahrzeuggewerbe war Hubert Aiwanger weit mehr als ein politischer Ansprechpartner. Er war über viele Jahre ein treuer und loyaler Partner, ein verlässlicher Unterstützer und ein Mensch, auf den wir jederzeit zugehen konnten. Er verstand, dass individuelle Mobilität für viele Menschen unverzichtbar ist und auch künftig bezahlbar bleiben muss. Er setzte sich für Technologieoffenheit, unternehmerische Freiheit und den Abbau unnötiger bürokratischer Hürden ein. Vor allem aber nahm er unsere Anliegen ernst. Er hörte zu, fragte nach und war bereit, sich auch persönlich für Lösungen einzusetzen.
Über die Jahre ist daraus ein enges und vertrauensvolles Verhältnis gewachsen. Hubert Aiwanger nahm sich immer wieder die Zeit, unsere Veranstaltungen persönlich zu besuchen und mit unseren Betrieben ins Gespräch zu kommen. Das war für ihn keine bloße Pflichtübung, sondern Ausdruck seines ehrlichen Interesses an den Menschen und ihren Anliegen. Wir haben diese Begegnungen und die vielen offenen Gespräche mit ihm außerordentlich geschätzt. Mit ihm konnte man Klartext reden, auch über schwierige Themen. Er war authentisch, direkt und immer auf Augenhöhe. Gerade das machte den Austausch mit ihm so besonders und wertvoll.
Mit seinem völlig unerwarteten Tod am 4. November 2026 im Alter von nur 55 Jahren verliert Bayern eine prägende politische Persönlichkeit. Wir verlieren einen Menschen, der sich mit großer Überzeugung für den Mittelstand eingesetzt hat, einen verlässlichen Verbündeten unseres Gewerbes und vor allem eine Persönlichkeit, die wir außerordentlich geschätzt haben.
Hubert Aiwanger wird fehlen. Mit seiner unverwechselbaren Art, seiner klaren Haltung und seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschen und Betriebe in unserem Land hinterlässt er eine große Lücke. Gerade seine Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und auch gegen Widerstände für seine Überzeugungen einzustehen, wird der bayerischen Politik fehlen.
Wir sind dankbar für die vielen Jahre der vertrauensvollen Zusammenarbeit, für seine Unterstützung und für die zahlreichen persönlichen Begegnungen. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten seiner Lebensgefährtin, seinen Kindern und seiner Familie.
Wir werden Hubert Aiwanger nicht vergessen.
Günter Friedl
Präsident und Landesinnungsmeister
Kraftfahrzeuggewerbe Bayern
Albert Vetterl
Ehrenpräsident
Kraftfahrzeuggewerbe Bayern






